Zwei wandelnde Gestalten im Dunkel der Nacht, die sich scheinbar ohne Ziel, ganz selbstverständlich, einander begleiten. Die Laternen der langen immer noch belebten Allee leuchten in hellem Orange, ganz als wollten sie die Körper der beiden in der herbstlichen Kälte mit sanfter Wärme zart umarmen. Und schließlich einnehmen, sodass der eisige Hauch des Windes das Paar nicht erreichen kann.
Sie kommen gerade von einer Verabredung. Abendessen mit einer guten Freundin. Ein seltsamer Abend. Doch die Gedanken vom Unglück der vertrauten Seele, die sich ihnen offenbart hat, sich ihrer Probleme entledigen wollte, verbleiben im Gedächtnis und finden im Schweigen der beiden Liebenden ihren Widerhall.
Warum nur hat sie immer so ein Pech mit ihren Auserwählten ? Warum nur konnte sie nie eine nette zweite Hälfte finden, sie sie so nahm, wie sie nun einmal ist ? Die Freundin ist Antworten schuldig geblieben und hat lediglich in wahren Schwällen von Wortfetzen, den Tränen zu nahe, um die Ärmel ihres grauen Baumwolltrainingsanzuges aus dem Gesicht zu nehmen, erklärt, dass sie so nicht mehr weitermachen könne. Sie wolle etwas ändern, sagte sie. Nur was, das wisse sie noch nicht so recht. Ratschläge, die brauche sie. Die beiden konnten ihr dabei jedoch nur bedingt helfen. Er verstand nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was die bemitleidenswerte gebrochene Person ihm gegenüber sitzend erzählt hat, und sie wusste zwar sets eine passende Antwort, aber eben keine, die nicht schmerzen würde. So haben die drei den Abend, großteils ohne auf das besagte Thema zu genau einzugehen, verbracht und sich nach dem vierstündigen Zusammensitzen voneinander verabschiedet. In der Hoffnung, dass mit ihr nach diesem Gefühlsmarathon alles wieder einigermaßen in Ordnung sei, begab sich das Paar auf den Heimweg.
Durch den weichen Schein der orangeerleuchteten Straße, den anschließenden düsteren, jedoch seichten Abhang hinunter, auf dem ihnen ab und zu ein PKW entgegenkommt, das langsam durch die Landschaft fährt und dabei den Eindruck erweckt, dass sich der Fahrer lediglich sicher sein möchte, im nahenden Sekundenschlaf keinen allzu schlimmen Unfall zu bauen. Auf schmalen Weg durch die kleinen unbeleuchteten Felder hindurch, in denen sich ab und zu ein einsamer Vogel bemerkbar macht, und schließlich an den dicht gebauten, recht kleinen Wohnhäuser mit ihren winzigen Vorgärten und den vor der Haustür geparkten Familienwagen vorbei, führt sie ihr langer Weg in Richtung Flußlauf. Ein winziges Bächlein, das aber der Größe der Eingrenzung nach zu urteilen, in der Zeit der Schneeschmelze stark anwachsen wird. Die schmale Holzfußgängerbrücke, die erst im letzten Jahr als Ersatz für die heruntergekommene alte Steinbrücke gebaut worden ist, befindet sich wie immer im Dunkeln. Keine Laterne, nur die wenigen Sterne sowie der Vollmond, die sich ab und zu in Öffnungen der dichten Wolkendecke zeigt, erhellen die Umgebung ein wenig, sodass man Umriss, wenn auch äußerst unscharf, ausmachen kann.
Einander kaum sehend, verstehen die beiden ihre Positionen im Dunkel jener Nacht, die soviel Hoffung beherbergt. Kein Gesichtsaudruck, keine Handbewegung und kein Wort tauschen sie miteinander. Einzig und allein die leisen, schlürfenden Schritte der Erschöpften zeugen von einer Kommunikation. Ein beruhigendes Akkustikwechselspiel von links und rechts, lang und kurz, das die Existenz der beiden untermauert und dem jeweils anderen eine Navigationshilfe in der undurchdringlichen nächtlichen Leere bietet. Informationem jedoch, die im Bruchteil von Sekunden ihren Wert verlieren.
Die Körperkonturen verblasst und die Gesichter in Dunkelheit gehüllt, folgen die beiden immer noch schweigend dem leise rauschenden Wasser, dass sie kurz zuvor überquert haben. Sie biegen ab. In eine kleine Seitenstraße, die sie, die einen leicht fröstelnden Eindruck macht, und ihn, der sich noch immer um das Schicksal der Freundin sorgt, leicht bergan führend, einen vollkommen in schwarz getünschten Friedhof passierend zum Hintereingang der Unterkunft bringt. Eine unglaubliche Stille. Keine der Zikaden, die zuvor beständig ihr Zirpen hören ließen, und ebenso wenig Autos, die den beiden noch ein nur etwas zuvor in einer recht beachtlichen Anzahl begegneten, können vernommen werden. Einfach Stille. Nur das beharrliche Fließen des Wassers sowie der Wind, der die Blätter zerzaust und dabei ein wohlklingendes Wispern von sich gibt, sind ihre steten Begleiter.
Sie betreten die kleine Wohnung. Ein letzter Kuss. Das Licht gelöscht, schlafen sie schon bald eng beieinander liegend und mit einer dicken Decke bedeckt in der Kälte der Nacht. Nach langer Zeit haben sie endlich einmal wieder Freiraum für NICHTS. Nichts zu erledigen, nichts zu überlegen, nichts zu lösen, nichts …
Der nächste Morgen. Verfliegt, wie ein schöner Traum, der vom Bewusstsein ausgespart und vom Kurzzeitgedächtnis, wenn überhaupt, nur als pastellfarbenes Spiegelbild ferner Erinnerungen behalten wird. Nur unterbrochen vom am Vorabend falsch gestellten Wecker.
Der Mittag. Einander zugewandt öffnen sie die Augen und sehen einander an. Hoffnungsvoll, angesichts des Bevorstehende, und voller Bedauern, über das zu rasche Vergehen des Vorherigen, zugleich lächeln sie sich zu. Selbst der große, schwere blaue Vorhang des übergroßen Fensters kann die einfallende Wärme kaum zurückhalten und verwehrt eine ruhige Fortsetzung des erholsamen Schlafes. So entschließen sich beide, aufzustehen und für den geplanten Ausflug vorzubereiten.
Sechs Stunden später. Die Heimkehr. Erneut begehen die beiden den Weg der nächtlichen Vielfalt, auf dem sich der düstere Teil des Tages bereits seinen Anteil sichern konnte. Eine Spur der Vergangenheit. Bepackt mit unzähligen Taschen des Fanges, der aus dem vorherigen Beutezug resultiert, ist es der Fußmarsch, der sich in der kühlen, regenschwangeren Nacht einer endlosen Diaspora gleich hinzuziehen scheint.
Am Wegesrand flüchtet eine scheue Katze und verschwindet im nahegelegenen Hain. Die letzten Zikaden zirpen ihr einsames Lied des ergrauten Spätsommers. In den Bäumen krächzen verächtlich die Raben und die beiden schweigenden Gestalten legen Meter um Meter zurück … Irgendwo im Hintergrund lassen sich Schreie von übenden Sportlern vernehmen, die in dem leeren Nichts der Nacht verhallen. Wie das muntere Rauschen des Bächleins verstummen sie in einiger Entfernung, sodass man sich ihrer wirklichen Existenz nicht mehr sicher sein kann.
Im Anschluß an das kleine Abendessen verabschiedet er sich. Zwei anstrengende Tage liegen hinter, noch viele vor ihnen. Mit einem flüchtigen Kuss lässt er sie allein zurück, um sich den Weg zum eigenen Schlafplatz zurückzukämpfen. Er ist müde, geschafft. Möchte einfach nur schlafen und denkt an die Tage, in denen er noch durch die Nacht gehen kann.
Der Winter naht. Und mit ihm die Gewissheit, dass die gemeinsame Zeit immer knapper wird. Bis sie schließlich ganz vorüber ist.
Was ihm bleibt, ist also ein trauriger, fader Beigeschmack bei jedem flüchtigen, ja sogar täglichen Abschied ! Stück für Stück wird er sie in einem großen Sumpf voller gebrochener Seelen,vielleicht sogar ohne eine Möglichkeit der Widerkehr, verlieren … Eine düstere Zukunft.
1. November 2007 at 5:43
Die Frage, und damit meine ich nicht irgendeine beliebige Frage, sondern diese eine Fundamentale, welche sich nach der Lektüre all dessen stellt, aber ist und bleibt, essentiell in ihrer Natur und in Anbetracht der Umstände, in denen sich das Wesen des Kosmos befindet, immer und immer wieder:
‘Was für ein Geräusch mach ein Pantomime, der von einem umstürzenden Baum erschlagen wird, wenn niemand dort ist, der es hört?’
Christoph, Du solltest anfangen für diese Groschen-Liebesromane zu schreiben… da kriegt man ja Karien auf den Augen wenn man das ließt!
1. November 2007 at 5:45
Ich meine natürlich Karies!!! Blöde Tastatur!
2. November 2007 at 0:08
Ich weiß, was du meinst!
Danke, dass du ihn dennoch gelesen hast
Nein, mal ehrlich. So etwas kommt raus, wenn ich in einer nachdenklichen Stimmung gerade mal ein paar Momente finde, etwas Produktives zu leisten. Mag sein, dass es nicht gut ist, aber in so einer Stimmung ist dies nunmal alles, was ich zu Stande bekomme.
Sieh’ es doch bitte als Ausdruck meiner „innersten Tiefen“ … oder so ähnlich. Auf alle Fälle hatte ich nicht vor, dich zu verletzen ! Ich bin halt so
5. November 2007 at 7:06
Jo, jedem das Seine (und mir das Meiste!).
Wenns mit der Japanologen-Karriere nicht klappt, dann bleiben ja wie gesagt noch die Groschenromane!
7. November 2007 at 23:27
die melancholischen Zeilen erinnern mich irgendwie an die Lieder „die Nacht“ und „du erkennst mich nicht wieder“ von Wir sind Helden..
ansonsten wunderbar be- bzw. geschrieben und „schalt alle Zweifel aus.. mach gewinnbringede Gedanken draus“ und genieß die Zeit, die bleibt
greetz
7. November 2007 at 23:49
danke !
Werde ich mir zu Herzen nehmen !
Außerdem versuche ich einfach mal wieder regelmäßiger zu schreiben – vorallem über das Fest letztens … 5 Tage Arbeit und insgesamt 14 Stunden Schlaf ^^
Das war lustig ! Außerdem eine einfach lustige Runde – derzeit lade ich die Bilder hoch
28. November 2007 at 14:52
日本語できるかな。
ドイツ語だから全然分からない。残念。
いつかドイツ語も勉強したい。
2. Dezember 2007 at 3:42
コメントしてくれてありがとう!
ドイツ語がわかんないのに。。。
でもね、ブログを日本語で書いている場合は、みんなの親族とか友達は情報を読めなくようになるでしょう。
それで、ドイツ語しか使えない。
ごめんね!
本当に内容を知りたければもう一回学校で聞いてね!
本当にありがとうございました!:D
9. Januar 2008 at 19:45
uff, das soll einer verstehen =)