Endlich, nach fast vierzehntägiger „Abwesenheit“, finde ich wieder ein wenig Zeit, um mich produktiv auf dieser Seite zu verewigen. In der Zwischenzeit konnte man meine Unternehmungen, wie ich meine, sicherlich recht gut mitverfolgen. Ich hoffe, dass das auch einige genutzt haben. Wenn nicht, so sei der Hinweis erlaubt, dass ich auf der Hauptseite in der rechten Spalte unter „aktuelle Planung“ bzw. „der vergangene Tag“ meine Erlebnisse täglich aktualisiere. Ich halte es für eine gute Idee, jedem Leser auf diesem Weg, auch ohne dass ich mich jeden Tag romanhaft äußere, einen kleinen Einblick in meinen Alltag zu geben. Auch wenn es sehr wenig ist, so bitte ich doch um Nachsicht, da es nicht so ganz einfach ist, das Arbeitspensum von Klasse zwei jeden Tag zur vollsten Zufriedenheit zu erfüllen und gleichzeitig immer noch Freiraum für andere Dringlichkeiten zu haben. Im Übrigen ist mit klar, dass ich mich glücklich schätzen kann, nicht jeden Tag einen Test über Schriftzeichen schreiben zu müssen, die ich schon vor dem Aufenthalt in Japan kannte. Dafür gibt es aber andere Aufgaben, die bei weitem nicht weniger anspruchsvoll sind. So zum Beispiel Aufsätze über Erzählungen schreiben, deren Inhalt man, wenn man Glück hat, höchstens rein intuitiv erfassen kann, beziehungsweise Vorträge über Themen halten, die man selbst auf Deutsch nicht einmal adäquat erklären könnte. Spass macht es trotzdem, seltsamerweise … wer weiß woran das nur liegen mag ?
Wie dem auch sei, beklagen möchte ich mich jedenfalls nicht ! Denn zwei für das Leben dringend notwendige Dinge habe ich in den letzten gut zwei Wochen gelernt.
Erstens : man kommt mit einem Schlafpensum von täglich zweieinhalb Stunden relativ gut zu Rande. Es sei denn, man möchte Marathon laufen oder einen mehrstündigen Aufsatz schreiben (was ich bei weitem nicht vorhabe) … Es ist sogar so, dass man irgendwann (nach den ersten vier Tagen, die die schlimmsten sind !) in eine Art Schwebezustand übergeht, in dem einem einfach alles egal ist, obwohl man weiß, dass es eigentlich nicht so sein kann – und trotzdem stellt sich innerlich eine Art Gleichgültigkeit ein, der man sich einfach nur anvertrauen braucht. Und schon übersteht man den Tag wie von selbst. Man schafft sogar mehr, als man normalerweise in einem übermüdeten Zustand zu schaffen im Stande wäre. Fast so, als wenn das Unterbewußtsein absolute Kontrolle über das Handeln gewinnen würde und man selbst, da einem ja alles egal ist, einfach einmal mitmachte, um zu sehen, was so alles tolles passiert. Ich glaube, Martin – meinen Zimmergenossen – ergeht es nicht viel anders. Er stimmt mir zumindest in der Beschreibung der Art des dämmrigen Halbschlafes, in dem wir uns in der letzten Zeit befanden, zu
Bevor wir aber für verrückt erklärt werden, möchte ich wenigstens noch zu Protokoll geben, dass wir heute nach zwölf oder dreizehn Stunden Schlaf erst gegen halb fünf „frühstücken“ waren. Es geht jetzt also wieder … mehr oder weniger.
Zweitens: ich durfte erfahren, dass man diesen oben beschriebenen Zustand noch besser überstehen kann, indem man sich mit den hier frei verkäuflichen Nahrungsmitteln eindeckt. Mit Nahrung meine ich allerdings Flüssigkeiten nicht alkoholischer Art
Genauer gesagt, ernähre ich mich im Grunde den ganzen Tag von allerlei synthetischen Sachen, deren Inhalt ich nicht kenne, die aber dem Geschmack nach zu urteilen, der Gesundheit dienlich sein müssen, wenn ihr versteht, was ich meine. Ich glaube, in Deutschland versteht man darunter soviel wie Nahrungsergänzungsmittel. Hier sind es allerdings normale Getränke, die es in jedem Getränkeautomaten an der Straßenecke mal in größere, mal in kleinere Artenvielfalt – neben den zehntausend Sorten Tee, bekannten Softdrinks und dünnem Kaffee mit viel Zucker und Milch – käuflich zu erwerben gibt. Der große Unterschied ist folglich, dass man sich hier nicht MIT diesen Getränke, sondern VON eben jenen ernähren kann.
Gerade eben habe ich meine Tagesdosis Vitamin C um das hundertfache überschritten, indem ich eine dreihundert Milliliter Flasche Zitronensynthetikzeugs geleert habe, das dem Aufdruck zufolge in hundert Millilitern knapp vierhundert Milligramm Vitamin C enthalten soll. Hinzu kommt das obligatorische Natrium, das mit fünfzig Milligramm vertreten ist. Und das Tollste: dieser Spaß kostet lächerliche einhundertzehn Yen (neunundsechzig Cent beim heutigen Wechselkurs von einhundertvierundsechzig Komma sechs zu eins). Ein noch besseres Gesöff dieser Machart ist allerdings in unserer Mensa für satte zweihundert Yen (ein Euro zweiundzwanzig) zu haben, enthält dafür aber auch fünfhundert Milliliter ! Es hat eine unglaubliche Beimengung von viertausend Milligramm Aminosäuren … nach dem Genuss will man dafür dann aber auch den Rest des Tages nicht mehr schlafen gehen, sondern munter durch die Gegend springen, bis die Beinmuskeln versagen ! Deshalb habe ich beschlossen, diese Art von Wasserersatz ab sofort als „Bomber“ zu bezeichnen.
Neben diesem Gesundheitsmittelchen auf Softdrinkbasis gibt es natürlich noch isotonische Sportdrinks, die den Mineralienhaushalt auf Fordermann bringen sollen. Deshalb enthalten sie auch besonders viel ionische Zusätze und wirken auf den ersten Blick wie stark verdünntes Calpis (fermentierte Milch), erinnern aber irgendwie an das gefilterte Abwasser einer abgestandenen Rohrleitung, die aus besonders mineralhaltigem Metall zusammengebaut wurde. Was jetzt allerdings nicht heißen soll, dass sie schlecht schmecken …
Die letzte, mir derzeit zu kategorisieren mögliche Sorte dieser Superflüssigkeiten sind Mischgetränke, die im Gegensatz zu den anderen beiden auch Zucker in rauhen Mengen aufweisen. Denn komischerweise sind nahezu alle Variationen der anderen Sorten als „Kalorie-off“ bezeichnet, was soviel bedeutet, als dass sie nicht viel mehr Kalorien als dünner Kaffee gleicher Menge enthalten sollen … ob das stimmt ? Keine Ahnung ! Jedenfalls weist diese letzte Kategorie einen merklich höheren Brennwert auf. Ich habe mir in den letzten zwei Woche angewöhnt, jeden Morgen eine dieser Vertreter zum Frühstück zu trinken (eine kleine Anmerkung zum besseren Verständnis: es handelt sich dabei stets um das gleiche Getränk !). Ein Mix auf Ginger Ale Basis mit Zusätzen von Spurenelementen und Vitaminen. Na wenn das nicht gut ist …
Megumi meint zumindest, dass man von denen dick werden würde, weshalb ich mich nun zu den „Bombern“ vorgewagt habe, die einen eindeutig gesundheitfördernderen Eindruck machen. Was ich natürlich nicht beweisen kann und eigentlich auch gar nicht will ! Denn mir ist klar, dass der menschliche Körper nur eine bestimmte Menge an Nährstoffen aufnehmen kann und den Rest unverbraucht ausscheidet, aber zumindest das Unterbewußtsein scheint doch beruhigter, wenn ich dem Körper auf diesem Wege etwas Gutes zu kommen lasse. Nennen wir es mal „Placeboeffekt“, wobei dieser Begriff wohl etwas unglücklich scheint, da ich mir ja im Klaren über die Wirkung bin. Eins haben die Drinks scheinbar schon einmal bewirkt. Ich habe abgenommen – unglaubliche sechs Kilogramm. Wobei ich allerdings glaube, dass es sich mehr um Wasser als um wirklich effektive Körpermasse handelt. Nichtsdesto trotz ist es irgendwie ein gutes Gefühl nach und nach in Form zu kommen – und das ohne Training. Sondern nur mit etwas Achtsamkeit in der Ernährung und den Gebrauch richtig „nahrhafter“ Mittel, die sich übrigens auch auf bissfeste Sachen ausdehnen. Zumindest habe ich mir heute eine kleine Packung Bonbons gekauft, deren Inhalt (etwa hundertzwanzig Gramm) etwa dreitausend Milligramm Vitamin C enthalten sollen. Ich werde es mir schmecken lassen.
Nebenbei noch: ich weiß, dass es nicht gesund sein kann, diese Sachen die ganze Zeit über zu gebrauchen, aber ich bekomme von den Sachen hier keine Verdauungsschwierigkeiten (wie es oft in Deutschland der Fall war, wenn ich mir einen etwas höher konzentrierten Fruchtsaft geleistet habe) und muss die doch irgendwie länger als erwartet anhaltendene Erkältung loswerden. Ich scheue mich allerdings, auf das Mittel zurückzugreifen, das Megumi geholfen hat. Allein der Ausdruck „innerhalb eines Tages sind ihr Nasen- und Rachenraum wieder frei“ schreckt mich ab. Leider verstehe ich kaum Chemiejapanisch, sodass ich nicht genau weiß, was da drin ist. Aber eins weiß ich, ein Mittel, dessen Großteil der Inhaltsstoffe das Zeichen für Alkohol 酒 enthält, kann für meine Schleimhäute nicht gesund sein. So nehme ich lieber mit Vitamindosen in Grammdimensionen vorlieb !
Verdünnen kann man es zur Not ja allemal noch mit einem Repräsentanten der zehntausend Sorten Tee, bekannten Softdrinks oder dünnem Kaffee mit viel Zucker und Milch
…
23. Oktober 2007 at 8:08
Pass bloß auf Christoph, auch Vitamine, vor allem in den rauhen Mengen die Du hier angibst, können gesundheitsschädlich sein. Vor allem Vitamin C. Also denke bitte auch ein wenig an Deine Leber und vor allem Deine Nieren und versuche einen Teil dieser Mixgetränke durch reines Wasser zu ersetzen. Davon wirst Du auch sitt (ja, das ist das flüssige equivalent zu satt, seit einer Ausschreibung des Dudens), sparst Dir aber die chemischen Zusatzstoffe und die zum Teil vollkommen unnötigen Vitamine, werden viele Aminosäuren doch nur in Verbindung mit Fetten vom Körper auch wirklich aufgenommen und verwertet!
Gruß
Bastian
23. Oktober 2007 at 8:47
Danke für den Tipp. Nur, auch wenn es vielleicht nicht so rüber kommt, zum Runterspülen verwende ich dann schon noch Tee. Das geht sogar soweit, dass ich gestern eine Sorte fand, in der sich NICHTS befindet. Ja, nichts. Es enthält von allen maximal Spuren. Auch von Energie.
Im Grunde eignet sich das Zeug hervorragend zum Verdünnen
Und noch was, dieses Aminosäurenzeug nehme ich lediglich in Verbindung des Mittagessens (meist Fleisch – als mit Fett, da der Japaner ja bekanntlich nichs von dem entfernt) zu mir.
Dennoch danke für die Besorgnis. Ich werde auf der Hut sein …