Leider bin ich die letzten Tage nicht dazu gekommen, meine Erlebnisse mitzuteilen, was unter anderem am Stress der ersten Unterrichtstage liegt. Daher werde ich jetzt versuchen, die Geschehnisse nach und nach aufzuarbeiten …

Als erstes gabe es den Donnerstag der Einführungen. Das hieß im Grunde nichts anderes, als zwei Stunden in der Frühe in einem überklimatisierten Raum sitzen und – zumindest in meinem Fall – einer zu schnell sprechenden Frau zu zuhören, die einem klar machen wollte, was man zu tun und zu lassen hätte, um ihre Anforderungen zu erfüllen. Es klang, als solle es eine Auflistung der Konsequenzen werden, die einem bei falschen Benehmen drohen, war jedoch keineswegs furchteinflössend. Vielleicht war das auch so gewollt ?! Jedenfalls trifft eine Aussage wie: „… wenn sie nicht oft genug anwesesend sind, dann werde ich sie darauf ansprechen, dass sie acht geben müssen, öfter anwesend zu sein …“ keinen empfindlichen Nerv bei mir. Vorallem weil Frau Borchert dann auch noch erwähnte, dass sie nicht den Mut dazu hätten, jemanden einfach so nach Hause zurück zu schicken :D

So saßen wir also zu dritt (Diana war am Mittwoch irgendwie zu uns hochgestuft worden) und hörten gespannt der ganzen Sache zu und versuchten gleichzeitig den ganzen Papierkram zu ordnen. Warum haben die uns auch drei verschiedene Stundenpläne gegeben und uns alle Wahlmöglichkeiten zweimal aufgeführt, wenn sie im Nachhinein meinen, dass die Humboldt-Studenten allerdings keine Wahlmöglichkeit hätten und den Übersetzungsunterricht von Herrn Sahara (der Austauschlehrer dieses Frühjahres) besuchen müssten ? Wozu soll so etwas gut sein – wollen die uns absichtliche verwirren ?

Nun gut, wir überstanden also diese zwei Stunden und standen auf dem Flur als Ronja sich an uns wendete und meinte, dass die zweite Klasse vollkommen zu hoch sei und sie gerne zu uns stossen würde. So begab sie sich dann mit Frau Borchert zur zuständigen Angestellten. Schon kurz darauf kamen sie wieder und meinten, dass Ronja nun mit uns zusammensitzen dürfe.

Zwischendurch waren wir (d.h. Martin und ich) zum ersten Mal in der Mensa zu Mittag essen. Für mich gab es Curry und Reis ! Und es war gut ! So gut, dass ich es tags darauf erneut essen musste. Ich sollte aber aufpassen, denn zuviel davon soll nicht gesund sein, wurde mir gesagt. Wie dem auch sei, lecker war’s. ;)

Am Ende des Einführungstages fand noch die Mediaeinführung statt. Wir erhielten unsere Computerzugänge und die Einweisung in das Mailprogramm, das eine Weile nicht funktionierte, da ich mein bevorzugter Firefox dafür nicht geeignet ist … Warum ? Wer programmiert so einen Mist ?

Zumindest habe ich nun eine offizielle Mailadresse bei der Tôkai-Daigaku in Hiratsuka, Präfektur Kanagawa !

Ach ja, leider geben die Bilder nicht alles wieder, was bei der Mediaeinführung vor sich ging. So wurde uns gesagt, uns möglichst wiet hinten zu platzieren, was aber von den Nordländern nicht befolgt wurde. Folglich saßen wir wieder ein Mal wie eine deutsche Insel unter den Asiaten, verstanden kein Wort der englischen Übersetzung, sondern durften stattdessen Thai, Chinesisch, Koreanisch und Myanmar lauschen. Natürlich gleichzeitig, was soviel heißt, als dass der Herr mit dem Mikrophon an der Tafel seine Erklärung abgab und kurz nachdem ein Satz beendet war, alle fünf Übersetzer simultan einsetzten. Babylon war nicht dagegen. Aber abgesehen, dass ich von den Sprachen sowieso nichts verstand, war es witzig, da die einzelnen überlagernden Aussprachen, Intonationen, Nasallaute etc. zu einer großen Symphonie des Unverständnis zusammenwuchsen. Ein Schwall an Lauten, wie eine Pekingoper, die man auf einem Grammophon von neunzehnhundertdreißig hört :D

Nach etwa anderthalb Stunden war der Spaß beendet und ich kümmerte mich noch kurz um den deutschen Anteil an der Einführungsveranstaltung am vierzehnten Oktober. Ein Herr mit chinesischem Gesicht und seltsamer Aussprache nervte mich schon drei Tag mit der Bitte um Entscheidung. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Leser noch an den Satz: „das wird sich schon von selbst erledigen“. Es war genau dieser Herr, der mit mir dabei gesprochen hat, aber es ging eben nicht um die Willkommensfeier, sondern um die Semestereröffnungsfeier. Aber man muss doch sagen, dass es sich ja auch von selbst erledigt hat, irgendwie … jedenfalls tragen wir jetzt unser Lied vor, dass wir bei ersterer Veranstaltung nicht vortragen haben müssen. Kobayashi-sensei fragte uns zwar auch nach einen Anteil am Deutschzirkel bei der Vorstellung für neue Studenten am fünften zehnten, aber das müssen wir noch irgendwie überlegen … wenn wir überhaupt etwas machen !

Der Verantwortliche wollte aber leider ein Schriftstück, dass er anderen vorzeigen kann, sodass ich ihn auf den nächsten Tag vertrösten musste.

Am Nachmittag kamen wir relativ früh nach Hause, sodass ich im Internet auf Megumi traf. Wir machten uns einen Treffpunkt aus und gingen einkaufen. Sie hatte ein interessantes Rezept gefunden („Spaghetti mit Käse-Gemüse-Sauce“) und wollte es sogleich ausprobieren. Wir hatten also den gesamten Abend damit zugebracht zu kochen und zu essen …

Weshalb ich wieder einmal zu spät zum Einlass kam. Die Woche schon das dritte Mal oder so … ;)

Und das obwohl wir am nächsten Tag doch den JLPT (der Japanischtest für Ausländer, die in Japanisch Kenntnisse nachgewiesen haben wollen – ähnlich dem TOEFL für Englisch) auf Stufe zwei (der zweithöchste von vier) bestreiten sollten. Naja, irgendwie habe ich dabei kein schlechtes Gefühl, denn schließlich musste ich doch ein Jahr warten, um diese Erlebnisse zu haben. Irgendwie gibt es da schon einen Weg …