Der gestrige Mittwoch brachte nichts wirklich Neues … nur einen Ausflug nach Shinjuku, den wir aufgrund des Arztbesuches von Ronja, die nun mittlerweile wieder genesen scheint, etwas nach hinten verschieben mussten. Wir fuhren also entgegen den Plan erst gegen halb zwei los, da die Praxis des HNO-Arztes wohl sehr voll gewesen sein muss. Vorallem mit Kindern, wie Frau Borchert meinte, die als Übersetzungshilfe mit dabei war.
Es war jedenfalls schon früher Nachmittag als wir mit Ryôta im Schlepptau und ohne Frau Borchert, die meinte, dass sie den nächsten Zug bevorzugen bevorzuge, die etwa achtzig Minuten Weg auf uns nahmen, sodass wir den ganzen Weg stehen durften. Eigentlich war ja auch nicht geplant, Ryôta mitzunehmen, aber er rief nach dem Ende seiner Einführung in das neue Semester an und fragte, ob er mitkommen dürfe. Und da wir noch hier vor Ort waren, kam er dann einfach mit. Ist schon komisch, dass er immer mit uns rumhängt, wo er doch eigentlich viel besseres tun könnte. Er hatte nämlich eigentlich auch eine Verabredung gegen um sechs, die er extra für uns verschob. Die arme Person, die das ertragen musste … vielleicht war es Risa ?
In Shinjuku ging es dann als erstes auf die Suche nach einem funktionierenden Geldautomaten, in der Martin und Diana Zugriff auf ihre Karten erlangen konnten. Schwieriger als ich das mir dachte – schließlich funktionierte es bei mir bisher immer (ich bin aber auch nicht bei der Sparkasse bzw. der Raiffeisenbank !). Danach begaben wir uns in zahlreiche Läden, um Taschen und dergleichen zu suchen. Die von mir favorisierte entpuppte sich jedoch beim näheren Hinsehen als Synthetikzusammenballung mit Kunstlederapplikationen, sodass mir die achtzehntausend Yen zu teuer erschienen. Da ging es eben ohne Tasche weiter …
Da so langsam der Hunger aufkam, entschieden wir uns den ersten ‘Burger King’ Japans zu besuchen. Ryôta kannte den Weg und zeigte ihn uns.
In der Nähe vom Rathaus in Shinjuku fanden wir ihn dann in einer kleinen unterirdischen Passage: Japans ersten ‘BaKin’ ! Und ich muss sagen, dass die Whopper besser schmecken, frischer und die exotischen Mischungen wie der ‘Teriyaki Burger’ mit marinierten Burgern ausgefallener sind als vergleichbare deutsche Schnellrestaurants. Wir aßen also alle ein Menü und waren überrscht, wie gut Japaner das Prinzip „just in time“ beherrschen. Im Gegensatz zu allen anderen Restaurants dieser Art, die ich kenne, liegen hier keine Burger in der Warmhaltebox bzw. bedürfen einer halben Ewigkeit zur Zubereitung. Und dazu: die Pommes waren herrlich firsch und nahezu ungesalzen !!!
Nach diesem Fast Food-Erguss voller guter Launer begaben wir uns dann nochmal in eins der vorherigen Kaufhäuser, damit sich Martin seine Tasche für etwa dreizehntausend Yen (etwa neundsiebzig Euro fünfzig) und Ronja suchte mit mir nach einer Tasche, da sie meinte, wenn wir einmal da seien, sei es auch gut, wenn ich mit einem Erfolgserlebnisse nach Hause käme
Sie hatte Recht und zudem ein sehr gutes Auge für Taschen !
Dank Ronja habe ich nun eine Tasche von Paul Smith, die qualitativ sehr hochwertig verarbeitet worden ist und zudem aus Japan kommt !!! Martins Tasche prangt mit der Aufschrift ‘made in China’, was nicht unbedingt schlecht sein muss, zumal die Tasche einen guten Eindruck macht, aber es hat eben seinen besonderen Ruf weg, nicht wahr ? Dafür war meine aber auch teurer … sechzehntausendachthundert Yen (umgerechnet etwas mehr als einhundertzwei Euro) kostete der Spaß, garantiert mir aber jetzt auch, dass ich ab sofort nicht mehr mit ollen Plastikbeuteln umher rennen muss, sondern stattdessen eine elegante Schultertasche dabei habe !
Dann machten wir uns auf den Rückweg, auf dem wir auch noch von einer alten Japanerin auf Englisch angesprochen worden, ob wir alle okay seien. Wir beantworteten dies mit ‘ja, es geht’ und sie erwiderte dies einfach mit der Frage, ob wir aus Deutschland kämen. Man höre das nämlich am Akzent, meinte sie. Schließlich sagte sie noch, ich zitiere, „Guten Tag“, winkte uns und ging ihres Weges mit ihren Begleiterinnen, die etwas entfernt warteten. Die Moral der Geschichte: stelle dich niemals mit fragendem Gesichtsausdruck in eine japanische Bahnstation, wenn du nicht willst, dass man dich anspricht, es sei denn, du brauchst Hilfe – dann solltest du es machen.
Wir entschieden uns dann für den vollsten Wagen, der gerade verfügbar war, sodass wir lange im Gedränge stehen durften. Zumindest ab der Hälfte der Fahrt war es trotzdem lustig, da Martin Blickkontakt mit einem etwa dreijährigen Jungen aufnahm, der auf dem Schoß der Mutter saß. Den Rest der Fahrt drehte sich die Aufmerksamkeit der Mitfahrenden im Bahnteil sechs des Expresszuges der Odakyû-sen von Shinjuku nach Odawara mit Abfahrt am 26.09.2007 um sieben Uhr abends nur noch um den Kleinen, der wie aufgedreht die Gesten von Martin nachmachte und nebenbei Schaffner spielte, in dem der die Ansagen der Lautsprecher lautstark wiederholte. So sind sie eben, die noch nicht sozialisierten Japaner (quasi alle Kinder, die keinen speziellen Kindergarten besuchen und noch nicht in der Schule sind).
Nach der Ankunft in Tôkaidaigaku-mae verabschiedete ich mich dann von den anderen und traf mich mit Megumi. Gegen um zwölf kehrte ich dann ins Wohnheim durch die Hintertür zurück und fiel fast sofort ins Bett. Martin meinte, er habe noch bis halb drei gechattet, was ich sehr erstaunlich finde, da er heute (wir standen um acht auf) relativ fit wirkte.
Heute gab es wieder eine Reihe von Einführungen, zu denen ich dann aber später noch was sagen werde …
In dem Sinne – bis später !
28. September 2007 at 4:02
Guten Abend Christoph,
wir haben deine heutige Info gelesen. Für Paps habe ich den Text ausgedrückt, damit wir nicht so ewig Andres Zimmer blockieren.
Also dir scheint es richtig gut zu gehen?!Alle deine Einkäufe hast du nun sicherlich erledigt. Bitte ruf bei Gelegenheit mal an!
Noch 1 Frage und zwei Aufträge für dich.
Hast du das Buch „Woyzeck“ von Georg Büchner in deinen heiligen Hallen?
Aufträge: Bitte laß uns deine Anchrift zukommen.
Die Kindergeldkasse läßt die Bescheinigung der Uni nicht gelten. Wir benötigen eine Imatrikulationsbescheinigung von der japanischen Uni oder eine entsprechende Be-
scheinigung. Wenn wir diese nicht vorlegen so entfält die Zahlung des Kindergeldes.
Es wäre also wirklich notwendig diese zu
besorgen.
Schön wieder von dir zu hören.
Bis morgen- tschau deine Eltern und Andre
28. September 2007 at 16:11
Zusatz zur Mail: nein, ich habe Woyceck nie im Unterricht behandeln dürfen, weshalb ich ihn auch nicht besitze ! Und bitte, bitte sendet mir endlich die Kontaktdaten von allen !
31. Oktober 2007 at 2:45
Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich meinen du schreibst hier von homoerotischen Erlebnissen. Taschen? Du schreibst von Taschen und davon wie die Taschen verarbeitet sind?
1. November 2007 at 0:22
Ja, denn ich hatte zu der Zeit nichts anderes zu tun, als rumzufahren und einzukaufen … und diesen Blog hier zu schreiben. Von daher fand ich es legitim, auch über so etwas zu berichten.
Übrigens, alle meine nach Japan mitgenommenen Hemden sind rosa. ^^